Tauchen Sie ein: Unser Leitungswasser

Wasser ist eine der Grundlagen unseres Lebens und ausreichend Wasser zu trinken ist für die Gesundheit von zentraler Bedeutung, denn es liefert dem Körper wichtige Mineralien.
Während wir es täglich zum Trinken, zur Zubereitung von Speisen und Getränken sowie für die Körperpflege, Reinigung und Wäsche waschen nutzen, wissen jedoch nur wenige, warum es überhaupt für uns so wichtig ist. Es enthält zahlreiche wichtige Nährstoffe wie Magnesium, Kalium und Eisen, welche in unserem Körper für das Knochenwachstum, die Blutbildung oder den Sauerstofftransport essentiell sind.

Doch welches Wasser ist wirklich gesundheitsfördernd? Wie erkennen und sorgen wir für sauberes Trinkwasser? Wikipedia definiert Trinkwasser all „das Wasser, das für den menschlichen Bedarf geeignet ist“. Doch die Diskussionen zum Thema werfen viele Fragen auf, die sich manchmal nicht eindeutig beantworten lassen. Ist unser Leitungswasser überhaupt gesund?

Verunsicherte Verbraucher kaufen deshalb oft lieber das Mineralwasser aus dem Supermarkt. Doch ist das eine vernünftige Alternative? Wie wird gesundes Wasser überhaupt definiert?

Trinkwasser – Situation in Deutschland

Das deutsche Trinkwasser gilt als das am besten überwachte Lebensmittel und unterliegt strengen gesetzlichen Kontrollen. Und auf den ersten Blick ist das Trinkwasser in Deutschland auch recht gut. Die Qualität beruht auf Grenzwerten für Schadstoff-Konzentrationen, die in der Trinkwasserverordnung festgelegt wurden. Darin sind etwa 50 chemische, mikrobiologische und radiologische Schadstoffwerte als Grenzwerte definiert, die von den Wasserversorgern kontrolliert und eingehalten werden müssen. Doch das bedeutet nicht, dass anschließend keine Schadstoffe mehr enthalten sind, denn die Trinkwasserverordnung deckt nur einen Bruchteil aller möglichen Verunreinigungen ab, viele Schadstoffe sind in dieser Verordnung gar nicht berücksichtigt.

Trinkwasseraufbereitung durch öffentliche Wasserversorger ist immer ein Kompromiss aus technischen Möglichkeiten, Kostenaspekten und gesundheitlicher Verträglichkeit sowie politischer Interessen. Dazu kommt in vielen Städten ein marodes, in die Jahre gekommenes Trinkwassernetz sowie sanierungsbedürftige Wasserleitungen in Wohnanlagen und Altbauten, welche die Trinkwasserqualität ebenfalls durch viele Unbekannte beeinflussen.

Für die meisten Verbraucher ist der Weg ihres Trinkwassers in Wahrheit eine „Black Box“ und die Wasserqualität beruht oft mehr auf Hoffnung als auf Wissen.

Was macht gesundes Wasser aus?

Öffentliche Wasserversorger müssen die Trinkwasserqualität für alle Verbraucher sicherstellen. Die Belastung unseres Trinkwassers durch negative Umwelteinflüsse steigt stetig. Gleichzeitig verursachen Keime und Gifte im Wasser schwere Krankheiten und Veränderungen an uns Menschen. Fehlende Grenzwerte bzw. eine lasche und zu langsame Gesetzgebung verschlimmern die Situation noch.

Der Gesetzgeber überwacht neben der Keimbelastung des Trinkwassers auch den Anteil an Pflanzenschutzmitteln und Schwermetallen. Nicht überwacht werden bisher hormonähnlich wirkende Substanzen, Arzneimittelrückstände sowie Parasiten.

Noch immer sind gesundheitsschädliche Stoffe im Trinkwasser enthalten. Wasserwerke müssten laufend aufgerüstet werden, doch meist sind sie unzureichend ausgestattet. Aufgrund fehlender oder veralteter Aufbereitungstechnik liefern sie noch immer zeitweise keimbelastetes Wasser an Verbraucher. Studien zeigen, dass in Deutschland von bis zu 50% der kleineren Trinkwasserversorgungen regelmäßig die Grenzwerte für Fäkalkeime überschritten werden.

Umweltgesetze sind nicht streng genug

Allgemein gilt: Leitungswasser muss so beschaffen sein, dass eine Schädigung der menschlichen Gesundheit oder der Umwelt nicht zu befürchten ist. Es muss frei von Verunreinigungen und Schadstoffen sein. Um diese im Leitungswasser so gering wie möglich zu halten, wurden in Deutschland durch die Trinkwasserverordnung Grenzwerte für die bekanntesten Inhaltsstoffe festgelegt.

Diese Grenzwerte werden regelmäßig überarbeitet, sobald ein neuer Schadstoff im Trinkwasser auftritt oder neue Erkenntnisse über negative Auswirkungen eines bestehenden Inhaltsstoffes festgestellt werden. Die Aussage des Umweltbundesamtes ist nicht falsch, wenn sie behaupten, dass unser Trinkwasser alle Richtlinien erfüllt, da die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung eingehalten werden. Aber reicht das wirklich aus?
Mittlerweile gibt es Grenzwerte für circa 50 verschiedene Stoffe. Zu den nicht gelisteten Inhaltsstoffen zählen Medikamentenrückstände, Mikroplastik und Pestizide, obwohl eine schädliche Auswirkung dieser Stoffe ab einer bestimmten Konzentration oder Kombination mit anderen Stoffen bekannt ist.

Unzeitgemäße Analyseverfahrenerfahren

Die unvollständige Überwachung von Schadstoffen ist eigentlich schon bedenklich genug, doch dazu kommt oft auch noch eine unzeitgemäße Analyse. Gemäß Trinkwasserverordnung müssen Keime im Trinkwasser noch immer nur mittels der mittlerweile über 100 Jahre alten Ausstrichmethode ermittelt werden. Man weiß jedoch, dass nur 0,1 – 1% der im Trinkwasser vorhandenen Bakterien zur Bildung von Kolonien neigen, die dann auf einem Ausstrich überhaupt zählbar sind.

Moderne, hochauflösende Analysemethoden wie die Durchflusszytometrie haben jedoch gezeigt, dass die Konzentration von Keimen im Leitungswasser wesentlich höher ist, als lange Zeit angenommen. So haben beispielsweise Untersuchungen in München ergeben, dass durch die Trinkwasserversorgung der Stadt zwischen 8.000 und 100.000 Keime pro ml in Gebäude eingespült werden. Insgesamt eine Mixtur aus unschädlichen Bakterien, aber auch Krankheitserregern wie Legionellen, Pseudomonaden und Organismen wie Amöben. In Verbindung mit im Wasser enthaltenen Nährstoffen, wie Nitraten, Phosphaten oder gelösten organischen Bestandteilen kann das zu einer starken Vermehrung von Keimen und Krankheitserregern in den Leitungsnetzen der Gebäude führen.

Keime vermehren sich auf dem Weg ins Gebäude

Selbst wenn die die Messwerte beim Wasserversorger noch innerhalb der Grenzwerte liegen, ist zu bedenken, dass sich Keime auf dem Weg zum Gebäude des Verbrauchers in den Rohrleitungen und dann später im Gebäude weiter vermehren. Je älter das Haus oder die Einrichtung und je länger eine Grundsanierung zurückliegt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die meisten Verunreinigungen im Trinkwasser aus den Rohrleitungen selbst kommen. Alte Kupferrohre, verzinkte Bleirohre, beschädigte Dichtungen oder auch inaktive Leitungsstränge: Alle stellen eine konkrete Gefahr für die Wasserqualität und die Gesundheit des Menschen dar. Sei es durch die stark erhöhte Abgabe von Inhaltsstoffen oder verbesserte Wachstumsbedingungen für Bakterien.
Das führt häufig zu einer massiven Keimbelastung in Gebäuden. Daher ist ein Schutz vor Bakterien und Keimen für die eigene Gesundheit äußerst wichtig. Für die optimale Trinkwasserqualität muss man selbst sorgen.

Neue Trinkwasserregeln des europäischen Parlaments

Im Oktober 2018 hat es einen europäischen Parlamentsbeschluss für Maßnahmen gegeben, die das Vertrauen der Verbraucher in Leitungswasser stärken sollten. Demnach sollen die Grenzwerte bestimmter Schadstoffe wie Blei und die für schädliche Bakterien, hormonwirksame Stoffe (endokrine Disruptoren) sowie die Überwachung des Gehalts an Mikroplastik verschärft werden. Doch gibt es zahlreiche Schadstoffe, die noch immer nicht berücksichtigt werden. Die Umsetzung der neuen Werte in den Wasserwerken lassen sich jedoch nur schwer kontrollieren.

Zumindest Geruchs- und Geschmacksbeeinträchtigungen wie Chlorgeruch und Chlorgeschmack, hoher Kalkanteil sowie Schmutzpartikel, Rost und Trübungen lassen sich erkennen und zeigen, dass unser Leitungswasser in Bad und Küche – gerade in Altbauten – teilweise Qualitätsmängel hat.